Blasformen von Kunststoffhohlkörpern

Michael Thielen, Peter Gust, Klaus Hartwig

Blasformen von Kunststoffhohlkörpern

Blasformen von Kunststoffhohlkörpern

2006

338 Seiten

Format: PDF, Online Lesen

E-Book: €  64,99

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ISBN: 9783446405110

 

4 Andere Blasformverfahren (S. 221-222)

4.1 „Reciprocating Screw"-Maschinen

Dieser intermittierend arbeitende, auch Schubschneckenmaschine genannte Maschinentyp ist in Europa nicht sehr weit verbreitet. Es kommt ein Extruder mit zurückfahrender Schnecke zum Einsatz. Dieses Verfahrensprinzip ähnelt dem Spritzgießprozess. Die vom Extruder erzeugte Schmelze wird im Schneckenvorraum gespeichert, wobei die Schnecke selbst während des Plasti. zierprozesses zurückfährt. Die Schließeinheit mit der Blasform wird lediglich geöffnet und geschlossen, sie wird nicht verfahren. Wenn die Rückwärtsbewegung der Schnecke einen vorde. nierten Wert (entsprechend einer dem Schussgewicht entsprechenden Schmelzemenge) erreicht hat, wird ein Hydraulikzylinder aktiviert, der die Schnecke nach vorne drückt. Die Schmelze wird nun durch einen (meist Mehrfach-) Schlauchkopf gepresst und zu Vorformlingen für die einzelnen Blasform werkzeuge ausgeformt. Auf diese Weise werden mit einer einzelnen Maschine hohe Produktionsgeschwindigkeiten erreicht. Der Blasdorn ist in der Mitte des Schlauchkopfes untergebracht; die Blasluft wird durch den Kopf zugeführt. Da die Blasformteile nur aus der Blasform herausfallen können, beispielsweise auf ein Förderband, nennt man diesen Prozess (wie einige andere auch) häufig „Blow and Drop".

Eine In-line-Entbutzung, wie in Abschnitt 2.5.4 beschrieben, ist bei diesem Verfahren nicht möglich.

4.2 Spritzblasformen

Ein Blasformprozess, der insbesondere für kleinere Flaschen und Weithalsbehälter zum Einsatz kommt, ist das Spritzblasformen [1]. Hier wird in einem Spritzgießprozess ein Vorformling erzeugt, wobei die plasti. zierte Formmasse mit relativ niedrigem Druck in die temperierte Spritzkavität eingespritzt und dort bis in den thermoelastischen Bereich des jeweiligen Kunststoffs konditioniert wird. Für die Weiterverarbeitung des Vorformlings sind vor allem die Temperaturverhältnisse in der Spritzform entscheidend [2]. Der spritzgegossene Vorformling wird dann entformt, wobei er auf dem inneren formgebenden Teil der Spritzgießkavität, dem Dorn (Transportdorn), verbleibt und mit diesem in die Blasform transferiert wird. Hier wird der Vorformling durch einen Ringspaltkanal, der sich im Dorn befindet, aufgeblasen (Bild 4.1).

Um eine gleichmäßige Wanddicke eines spritzgeblasenen Formteils zu erzielen, muss die Vorformlingswanddicke in der Spritzkavität entsprechend gestaltet werden (Bild 4.2).

 

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