TWI - Training Within Industry - Unterweisen, führen, verbessern

Götz Müller, Gerd F. Kamiske

TWI - Training Within Industry

Unterweisen, führen, verbessern

2018

128 Seiten

Format: PDF, ePUB

E-Book: €  10,99

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ISBN: 9783446458963

 

3Elemente des Training Within Industry


WORUM GEHT ES?


Training Within Industry fokussiert mit seinen drei zentralen Modulen auf die Befähigung der untersten Ebene der Führungskräfte zur Wahrnehmung ihrer Führungsaufgaben, basierend auf drei wichtigen Bedürfnissen. Diese Bedürfnisse sind grundsätzlich unabhängig von den Branchen, den Unternehmen oder Bereichen, in denen diese Führungskräfte tätig sind.

In diesem Kapitel werden diese drei Module beschrieben, mit denen Führungskräfte die Fähigkeiten erwerben, um ihre entsprechenden Bedürfnisse zu erfüllen. Bedürfnisse sollten dabei bewusst wahrgenommen werden. Wird ein Bedarf nicht erkannt, wird weiter ausgetretenen Pfaden gefolgt und neue Möglichkeiten werden nicht genutzt.

3.1Grundlagen und Systematik


WAS BRINGT ES?


Die Reihenfolge der drei Module in diesem Pocket-Power-Band orientiert sich an der bisherigen Zahl der Teilnehmer in den einzelnen Modulen, die auch die Wichtigkeit widerspiegelt. Diese Reihenfolge hat sich zwar bewährt, trotzdem sollte immer der Einzelfall betrachtet werden. Dieser Einzelfall kann sich auf eine einzelne Person beziehen, aber auch eine Mehrzahl von Personen bis zu einem ganzen Unternehmen. Eine Hilfestellung kann dabei das ergänzende Modul Program Development bieten, das nach den drei zentralen Modulen vorgestellt wird. Dieses Modul wird erst im Anschluss beschrieben, da sonst die notwendige Basis für das Verständnis für die Auswahlmöglichkeiten fehlt.

Die drei Säulen des TWI

  • Arbeitsunterweisungen
  • Arbeitsbeziehungen und Führung
  • Verbesserung von Arbeitsabläufen

WIE GEHE ICH VOR?


Alle drei Module werden in fünf Einheiten à zwei Stunden an typischerweise zehn Personen anhand deren praktischer Anwendungsfälle vermittelt. Diese fünf Einheiten finden idealerweise an fünf Tagen einer Woche statt. Dabei setzt sich der Teilnehmerkreis aus unterschiedlichen Bereichen oder Unternehmen zusammen, um auf diesem Weg speziell beim Job Instruction Training zu erreichen, dass bei der gegenseitigen Unterweisung im Verlauf des Trainings echte Herausforderungen durch noch unbekannte Tätigkeiten für die Unterwiesenen entstehen.

Die Anwendungsfälle werden zu Beginn noch vom Trainer eingeführt, kommen aber ab dem zweiten Modul vor allem aus dem direkten Arbeitsumfeld der Teilnehmer. Dadurch gelingt nicht nur die praktische Einbeziehung der Teilnehmer in das Training, sondern sie erreichen in ihrem direkten Arbeitsumfeld auch erste Verbesserungen, sei es durch bewusste und gezielte Unterweisung ihrer Mitarbeiter als auch durch konkrete Arbeit an Problemsituationen, einerseits mit ihren Mitarbeitern ebenso wie mit den Arbeitsabläufen und deren Verbesserungspotenzial.

Allen drei Modulen gemeinsam ist die Vorgehensweise in vier Schritten – vier Schritte, um die Unterweisung vorzubereiten und durchzuführen, um gute Arbeitsbeziehungen zu schaffen und zugrunde liegende Probleme zu lösen, um Verbesserungen in den Arbeitsabläufen zu erzielen.

Auch in diesen vier Schritten kommt die hohe Ähnlichkeit mit dem Kaizen-Prozess zum Ausdruck, unabhängig davon, ob man hier TWI oder Kaizen als Wurzel betrachtet oder einen unabhängigen Entwicklungsverlauf annimmt.

3.2Job Instruction – Fähigkeit zur Unterweisung


3.2.1Job Instruction im Einsatz


WORUM GEHT ES?


Job Instructions, also Arbeitsunterweisungen, lassen sich in verschiedene Haupteinsatzfälle unterteilen.

  • Einarbeitung von (neuen) Mitarbeitern
  • –Speziell ungelernte oder fachfremde Arbeitskräfte,
  • –bei häufigem Wechsel von Arbeitsinhalten,
  • –in Inklusionsszenarien,
  • –in Wiedereingliederungsszenarien,
  • –nach familiären Auszeiten,
  • –bei hoher Fluktuation.
  • Effektive und effiziente Unterweisung von Saison- oder Zeitarbeitskräften
  • –Urlaubsvertretungen,
  • –Krankheitsvertretungen,
  • –Abdeckung von Auftragsspitzen,
  • –Vorweihnachtsaktivitäten.
  • Nicht zufriedenstellende Arbeitsergebnisse
  • –Unterschiedliches Leistungsniveau von Mitarbeitern,
  • –Qualitätsmängel,
  • –fehlende Arbeitsstandards.
  • Arbeitsunfälle
  • Neue Techniken oder Maschinen
  • Befähigung von Fachleuten (ohne Ausbildung als Ausbilder) in der Unterweisung anderer Mitarbeiter
  • Einstieg in den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess

Alle diese Einsatzfälle stellen erhöhte Anforderungen an die direkt involvierten Führungskräfte in den betroffenen Bereichen, die Unterweisung auf effektive und effiziente Weise durchzuführen, um die betreffenden Personen zu befähigen, die entsprechenden Tätigkeiten durchzuführen.

WAS BRINGT ES?


Die Form des Job Instruction Training (ebenso wie Job Relations und Job Methods) unterscheidet sich grundsätzlich von klassischen Weiterbildungen, die oft in Tages- oder Mehr-Tages-Veranstaltungen durchgeführt werden und dadurch oft eine mehrtägige Abwesenheit vom Arbeitsplatz verursachen. Die TWI-Trainings bestehen aus kurzen, zweistündigen Modulen mit einem hohen Maß an Interaktivität und Einbeziehung der Teilnehmer, um auf diesem Weg das Erlernte sofort zu üben und auch direkt im Anschluss im eigenen Arbeitsumfeld einzusetzen.

Diese Vorgehensweise motiviert die Teilnehmer zur Mitarbeit im Training und zum Einsatz der erlernten Methoden im Tagesgeschäft, um dort sofort Wirkung zu erzielen.

WIE GEHE ICH VOR?


Sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung der Unterweisung gliedern sich in vier Schritte auf (wie dies auch bei den anderen beiden Job-Trainings der Fall sein wird). Die vier Schritte werden in kompakter Form auf der Unterweisungskarte dargestellt (Bild 3). Diese Karte wird im Training an die Teilnehmer verteilt. Sie dient dann auch bei der Vorbereitung und Durchführung der Unterweisungen als Gedächtnisstütze.

Während die Durchführung einer Unterweisung jeweils eine einzelne Sache ist, kann die Vorbereitung mehrere zu unterweisende Tätigkeiten und Personen umfassen.

Vorbereitung der Unterweisung

  • Zeitplan erstellen
  • Arbeit/Tätigkeit herunterbrechen
  • Alles bereithalten
  • Arbeitsplatz sauber vorbereiten
Bild 3: JI-Karte

http://lernstatt.geemco.de/twi-pp

Zeitplan erstellen

Beim ersten Schritt, der Erstellung des Zeitplans, geht es darum, dass Sie als Führungskraft Klarheit darüber gewinnen, welche Fähigkeiten die einzelnen Personen in ihrem Arbeitsbereich bis wann erwerben sollen. Dabei ist es sinnvoll, an dieser Stelle alle Personen und alle Tätigkeiten einzubeziehen, um einen Gesamtüberblick zu erhalten und geeignete Prioritäten setzen zu können (Bild 4).

Bei der Erstellung des Zeitplans werden personelle wie auch betriebliche Randbedingungen in Ihrem Arbeitsbereich berücksichtigt. Eine Führungsspanne im einstelligen oder zumindest sehr niedrig zweistelligen Bereich ist angemessen, um allen Mitarbeitern und den durchzuführenden Tätigkeiten gerecht zu werden. Der Zeitplan – wenn öffentlich gemacht – bietet allen Beteiligten auch die notwendige Transparenz über die bereits erworbenen und noch zu schulenden Fähigkeiten in dem betreffenden Arbeitsbereich.

Bild 4: JI-Schulungsplan

http://lernstatt.geemco.de/twi-pp

Aufschlüsseln bzw. herunterbrechen der Tätigkeiten

Den größten Anteil bei der Vorbereitung der Unterweisungen nimmt die Aufschlüsselung der auszuführenden Arbeiten bzw. Tätigkeiten ein (Bild 5, Seite 33). Anders als der Zeitplan müssen diese Aufschlüsselungen nicht komplett fertiggestellt werden, bevor die Durchführung einzelner Unterweisungen von Mitarbeitern beginnen kann. Mit der vorangegangenen Erstellung des Zeitplans haben Sie schon einen Überblick über die Tätigkeiten gewonnen und können gegebenenfalls Ähnlichkeiten einzelner bzw. aufeinanderfolgender Tätigkeiten entsprechend berücksichtigen. So erhalten Sie einen durchgängigen Prozess, der von verschiedenen Personen einfach abgedeckt werden kann.

Mit zunehmender Zahl von Unterweisungen bauen Sie dann die flexible Einsetzbarkeit Ihrer Mitarbeiter aus und erhalten dadurch Freiräume in besonderen Situationen (Krankheitsfälle, punktuelle Steigerung im Arbeitsaufkommen etc.).

Tätigkeit herunterbrechen/aufschlüsseln

  • Wichtige Schritte auflisten
  • Schlüsselaspekte auswählen (inklusive...

 

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