Das Swift-Handbuch - Apps programmieren für macOS, iOS, watchOS und tvOS

Thomas Sillmann

Das Swift-Handbuch

Apps programmieren für macOS, iOS, watchOS und tvOS

2023

1027 Seiten

Format: PDF, ePUB

E-Book: €  46,99

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ISBN: 9783446478572

 

1 Die Programmiersprache Swift

Nach dem Vorwort heiße ich Sie nun an dieser Stelle ein weiteres Mal recht herzlich willkommen in der faszinierenden Welt von Swift. Bevor es im zweiten Kapitel konkret mit der Programmierung losgeht, möchte ich Ihnen an dieser Stelle etwas über die Geschichte von Swift, die Bedeutung der Sprache im Apple-Kosmos sowie die Tools erzählen, die für uns als Entwickler unabdingbar sind.

1.1 Die Geschichte von Swift

Keine Bange, das soll hier keine langatmige monotone Geschichtsstunde werden. Falls es Sie auch nicht im Geringsten interessieren sollte, wie Swift entstanden ist, dürfen Sie diesen Abschnitt guten Gewissens gerne überspringen; ich wäre Ihnen nicht böse deswegen. Obwohl ich den Hintergrund, wie Swift das Licht der Welt erblickte, durchaus spannend finde.

Dabei sind viele Details über die genaue Entstehungsgeschichte von Swift gar nicht bekannt. Was man weiß, ist, dass Chris Lattner wohl in gewisser Weise als „Vater“ von Swift bezeichnet werden kann. Er begann die Entwicklung von Swift im Juli 2010 bei Apple aus eigenem Antrieb heraus und zunächst im Alleingang. Ab Ende 2011 kamen dann weitere Entwickler dazu, währwend das Projekt im Geheimen bei Apple fortgeführt wurde. Das erste Mal zeigte Apple die neue Sprache der Weltöffentlichkeit auf der WWDC (Worldwide Developers Conference) 2014 (siehe Bild 1.1).

Bild 1.1 Auf der WWDC 2014 präsentierte Apple Swift erstmals der Weltöffentlichkeit.

Mit dieser erstmaligen Präsentation von Swift überraschte Apple sowohl Presse als auch Entwickler gleichermaßen. Dabei war die Sprache zunächst – ähnlich wie Objective-C – ausschließlich auf die Plattformen von Apple beschränkt. Ein Mac mitsamt der zugehörigen IDE Xcode von Apple waren also Pflicht, wollte man mit Swift Apps für macOS, iOS, watchOS oder tvOS entwickeln. Im Herbst 2014 folgte dann die erste finale Version von Swift, die Apple den Entwicklern zusammen mit einem Update für Xcode zugänglich machte.

Im darauffolgenden Jahr sorgte Apple auf der WWDC 2015 dann für die nächste große Überraschung. Sie präsentierten nicht nur die neue Version 2 von Swift, sondern gaben auch bekannt, dass Swift noch im gleichen Jahr Open Source werden würde. Dieses Versprechen wurde dann am 03. Dezember 2015 umgesetzt und Apple startete die Plattform , um darüber zukünftig alle Weiterentwicklungen und Neuerungen zu Swift zusammenzutragen.

Seitdem hat die Sprache viele weitere Versionssprünge hinter sich und sie entwickelt sich noch immer stetig weiter. Einen großen Beitrag leistet hierbei auch die große Swift-Community, die mögliche Neuerungen und Änderungen vorantreibt.

Heute ist Swift die Sprache der Wahl, wenn es um die Entwicklung von Apps für Apple-Plattformen geht. Darüber hinaus findet Swift aber auch auf immer mehr Systemen wie Linux oder Windows Verwendung, ist dort aber bei weitem nicht so verbreitet wie im Apple-Umfeld.

1.2 Die Bedeutung von Swift im Apple-Kosmos

Aus Sicht von Apple ist eines ganz offensichtlich: Swift gehört die Zukunft. Zwar unterstützt Apple noch immer die „alte“ Programmiersprache Objective-C, doch die wird im Gegensatz zu Swift kaum bis gar nicht weiterentwickelt.

Auch ist Swift in bestimmten Bereichen der App-Entwicklung inzwischen ein Muss. Manche Systemfunktionen lassen sich nur mit Swift und nicht mit Objective-C ansteuern. So zeigt Apple auf sehr drastische Art und Weise, welcher Programmiersprache Entwickler ihre Aufmerksamkeit widmen sollten.

Zwar gibt es noch sehr viel Objective-C-Code da draußen und sicherlich diverse Entwickler-Kollegen, die Objective-C im Vergleich zu Swift klar bevorzugen. Doch es ändert nichts daran, dass Swift die Zukunft gehört, und danach sollten auch wir Entwickler uns richten.

Und wenn ich hier persönlich werden darf: In meinen Augen ist Swift nicht nur eine äußerst mächtige und vielseitige, sondern auch wunderschön zu schreibende Programmiersprache. Mit modernen Ansätzen erleichtert sie außerdem Neulingen den Einstieg, und ich behaupte einmal, dass diese Aussage jeder unterschreiben kann, der bereits einmal mit Objective-C entwickelt hat.

Auch Swift mag nicht perfekt sein, doch die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Sprache auf einem verdammt guten Weg ist und sowohl von Apple als auch der Open-Source-Community sehr viel Pflege erfährt.

Es mag abgedroschen klingen, doch jetzt ist definitiv der beste Zeitpunkt, sich der Programmierung mit Swift zu widmen.

1.3 Das UI-Framework: SwiftUI

In Teil 3 dieses Buches, der sich vollumfassend den spezifischen Besonderheiten der App-Entwicklung widmet, werden Sie sehr sehr viel über SwiftUI lesen. Bei SwiftUI handelt es sich um ein sogenanntes Framework. Frameworks setzen sich aus einem Set verschiedener Funktionen zusammen, die Sie als App-Entwickler nutzen können, wenn Sie das Framework in Ihr App-Projekt einbinden.

Auch wenn SwiftUI nicht direkt etwas mit der Programmiersprache Swift zu tun hat, möchte ich an dieser Stelle ein paar Worte darüber verlieren. Das hängt nämlich mit einer grundsätzlichen Verständnisfrage zusammen, auf die ich in den letzten Jahren öfters gestoßen bin. So gilt:

Swift ist eine Programmiersprache. SwiftUI ist ein Framework, das auf Swift basiert und spezielle Funktionen für die Erstellung von Nutzeroberflächen zur Verfügung stellt.

Wenn Sie also die Begriffe Swift und SwiftUI hören, geht es nicht darum, welches der beiden Sie verwenden sollen. Wenn Sie SwiftUI einsetzen, kommen Sie um ein Verständnis der Programmiersprache Swift gar nicht herum, denn darauf basiert SwiftUI nun einmal. Doch beschränkt sich der Einsatz von Swift nicht nur auf die Entwicklung von Nutzeroberflächen. So gesehen benötigen Sie Swift immer. Es ist die grundlegendste Säule der App-Entwicklung.

Wie gesagt, finden Sie in Teil 3 des Buches weitreichende Informationen zur Nutzung und Funktionsweise von SwiftUI.

1.4 Was Sie als App-Entwickler brauchen

Um mit Swift Ihre eigenen Apps für iPhone, iPad und Co. entwickeln zu können, führt in der Regel kein Weg an Apples hauseigener Entwicklungsumgebung Xcode vorbei (warum ich hier „in der Regel“ schreibe, erläutere ich noch).

Xcode ist eine App, die exklusiv auf dem Mac zur Verfügung steht und die Sie kostenlos und bequem aus dem Mac App Store herunterladen und installieren können (siehe Bild 1.2).

Bild 1.2 Xcode ist Apples vollwertige Entwicklungsumgebung für die Programmierung von Apps.

Xcode bringt alles mit, was Sie für die App-Entwicklung benötigen. Dazu gehört auch Unterstützung für Swift und SwiftUI. Außerdem verfügt Xcode über verschiedene Simulatoren, die es Ihnen beispielsweise ermöglichen, iPhone-Apps direkt auf Ihrem Mac auszuführen und zu testen.

Mithilfe von Xcode erstellen Sie Projekte für Ihre Apps und verwalten darin sowohl den Quellcode als auch weitere Ressourcen wie Bilder. Xcode kann Ihnen darüber hinaus beim Auffinden von Fehlern in Ihrer App helfen und ermöglicht es sogar, Ihre fertige App direkt in den App Store hochzuladen. Mehr zur Veröffentlichung von Apps erfahren Sie im letzten Teil dieses Buches.

Aufgrund dieses großen Funktionsumfangs kann Xcode als durchaus komplexe Anwendung angesehen werden. Das gilt umso mehr, wenn man zuvor noch keinerlei Programmiererfahrung gesammelt hat. Aus diesem Grund liefert Ihnen der zweite Teil dieses Buches einen Rundumüberblick über den Aufbau und die verschiedenen Bestandteile von Apples Entwicklungsumgebung.

Die abgespeckte Xcode-Alternative: Swift Playgrounds

Ich habe ja zu Beginn dieses Abschnitts geschrieben, dass zur App-Entwicklung „in der Regel“ kein Weg an Xcode vorbeiführt. Tatsächlich gibt es für das iPad eine Alternative zur vollwertigen Entwicklungsumgebung auf dem Mac: die App Swift Playgrounds (siehe Bild 1.3).

Bild 1.3 Swift Playgrounds ermöglicht das Programmieren auch auf Apples iPad.

Swift Playgrounds entstand ursprünglich, um Nutzern die Grundlagen der Programmierung spielerisch näherzubringen. Diese Funktion besitzt die App auch heute noch und sie ist definitiv einen Blick wert. Zusätzlich ermöglicht sie es inzwischen aber auch, vollwertige Apps für iPhone und iPad mit ihr zu entwickeln und direkt in den App Store hochzuladen.

Das ist definitiv eine großartige Sache, doch sollte man sich keinen Illusionen hingeben: Für die professionelle Entwicklung von Apps ist noch immer Xcode das Mittel der Wahl. Xcode bietet deutlich...

 

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