Eine Sparkasse baut um - Neue Wege und Methoden Veränderungen zu leben

Peter Vogel, Wolfgang Reiner

Eine Sparkasse baut um

Neue Wege und Methoden Veränderungen zu leben

2021

168 Seiten

Format: PDF, ePUB

E-Book: €  31,99

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ISBN: 9783446468795

 

3 Wir bauen neu – trotzdem!

Die Große Kreisstadt Wertheim ist die nördlichste Stadt im Geschäftsgebiet der Sparkasse. Wertheim hat circa 23 000 Einwohner. Die Stadt ist der größte Wirtschaftsstandort in der Region. Hier sind viele Weltmarktführer ansässig. Gefühlt „schon immer“ hatte die Sparkasse Tauberfranken in Wertheim eine große Filiale in der Rathausgasse mit einem vollständigen Service- und Beratungsangebot. 25 Mitarbeitende kümmern sich in einem schönen alten Gebäude um unsere Kunden. Leider wird die Ausstattung des Standorts den Anforderungen einer modernen Sparkasse und den Erwartungen unserer Kunden nicht mehr gerecht. Bedingt durch das Alter des Gebäudes war allerdings eine dringend erforderliche Modernisierung oder sogar ein weiterer Ausbau nicht möglich. Auch bietet der Standort in der Mitte der Altstadt kaum Parkmöglichkeiten. In der Nähe gibt es zwei weitere Filialen – Bestenheid und Wartberg.

Wie viele Filialen braucht eine Sparkasse? Welche Leistungen wollen wir dort anbieten? Als Regionalbank müssen wir ständig über unsere Standorte nachdenken – wir sind der Region verpflichtet, wollen also unseren Kunden möglichst viele Filialen bieten. Wir sind gleichzeitig der Wirtschaftlichkeit verpflichtet, auch eine Sparkasse muss Geld verdienen. Da die Mehrheit unserer Kunden im Schnitt nur einmal im Jahr zur Beratung in die Filiale kommt, sind einige Standorte verzichtbar. Weniger ist wirtschaftlich leider oftmals mehr.

Daher haben wir uns entschlossen, in Wertheim die Filialkonzeption „Main-Achse“ zu realisieren: Die drei Standorte Altstadt, Mondfeld und Urphar führen wir zusammen, an einem neuen Standort nicht weit vom alten, in der Nähe der Innenstadt, mit ausreichend Platz für unsere Kunden. Am alten Standort bleiben wir mit einem Angebot zur Selbstbedienung vertreten. Das Gebäude haben wir an die Stadt Wertheim verkauft – dort ziehen die Stadtwerke mit einem Bürger- und Kundenzentrum und vermutlich auch einige Büros der Stadtverwaltung ein.

In Städten, die als Mittelzentren gelten, kommt der räumlichen Verortung der lokalen Banken eine bedeutende Rolle zu. So auch in der Großen Kreisstadt Wertheim. Hier ist die Sparkasse ein zentraler Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, um ihre finanziellen Angelegenheiten zu erledigen, wenn sie für Einkäufe und andere Besorgungen in der Stadt unterwegs sind. Folgerichtig hatte die Sparkasse Wertheim ihren Hauptsitz im Altstadtbereich der Kernstadt seit 1935 in der Rathausgasse. Die Adresse deutet schon an, dass Sparkasse und Rathaus in der Vergangenheit räumliche Nachbarn waren. Doch das liegt nun 30 Jahre zurück, Ed Sheeran wurde gerade erst geboren und die Postleitzahl war noch vierstellig. Es war das Jahr 1991, als die Stadtverwaltung von der Rathausgasse in die ehemalige Hofhaltung in die Mühlenstraße umgezogen ist.

Der früheren engen Nachbarschaft von Rathaus und Sparkasse entspricht die enge Bindung, die die Bürger und Unternehmen im Laufe der Geschichte zu ihrer Sparkasse entwickelt haben. Das große Vertrauen von Bürgerschaft und Wirtschaft in das Geldinstitut mit dem Roten Punkt spiegelt sich auch in den Geschäftsentwicklungen der Sparkasse Tauberfranken. Diese Entwicklung begründete die Entscheidung des Vorstands, einen Neubau auf der gegenüberliegenden Tauberseite im Bahnhofsareal zu realisieren. Alt-Oberbürgermeister Stefan Mikulicz und sein Beigeordneter Wolfgang Stein packten die Gelegenheit beim Schopfe: Das nun freiwerdende Gebäude der Sparkasse in der Altstadt ermöglicht es der Stadtverwaltung, in der Rathausgasse nach über 30 Jahren wieder Dienstleistungen für ihre Bürger anzubieten. Denn nach einem stetigen Zuwachs an Leistungsanforderungen benötigt auch die Stadtverwaltung weiteren Raum, den sie nun für ihren Bürgerservice im ehemaligen Sparkassengebäude schaffen wird.

Durch den Kauf der Liegenschaft durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Wertheim, durch die zeitgemäße Renovierung der Gebäulichkeit und die anschließende Vermietung an Stadtverwaltung und Stadtwerke ist sichergestellt, dass die Rathausgasse auch zukünftig regen Zulauf findet. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Entscheidung der Sparkasse innerhalb der Bürgerschaft auch Diskussionen ausgelösthat. Dennoch schließt sich nun mit der Rückkehr eines Teils der Rathausmannschaft in die Rathausgasse ein Kreis.

Markus Herrera Torrez, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Wertheim

Nach dem Erwerb des Grundstücks ging es an die Planung des Gebäudes. Unsere neue Filiale in der Bahnhofstraße bietet genügend Raum für ein umfassendes Serviceangebot und Platz für die Beratung unserer Privat- und Unternehmenskunden sowie für das Private Banking, für Beratung und für Büros. Ein Veranstaltungsraum bietet Platz für bis zu fünfzig Personen. Der Standort ist leichter zu erreichen, es existieren gute Verbindungen mit dem öffentlichen Personennahverkehr und ausreichend Parkraum. Die Anbindung zur Innenstadt ist gut.

Auf circa 1150 Quadratmetern Grundstücksfläche entstehen für die Sparkasse in gestaffelter Bauweise etwa 1200 Quadratmeter Nutzfläche, verteilt auf vier Geschossebenen, die künftig bis zu 30 Mitarbeitenden ein „Zuhause“ bieten.

Die Stellplatzverordnung fordert dreißig Stellplätze. Durch die Straßenführung und den Baumbestand sowie andere Gegebenheiten waren die Einfahrtmöglichkeiten vorgegeben. Von hier „nach vorne“ gedacht bedeutete das eine kleinere Grundfläche für das Erdgeschoss. Wir haben dieselbe Fläche in der ersten Etage realisiert. Das zweite Obergeschoss ragt dann weit über den Eingangsbereich hinaus. Das Dachgeschoss ist wieder zurückgesetzt. Durch die Art der Außenverkleidung und die Farbwahl beim Außenputz wird der Eindruck vermittelt, dass das zweite Stockwerk über den anderen schwebt.

Bild 3.1 Außenansicht

Im Anschluss an das Gebäude der Sparkasse entsteht ein weiteres Gebäude mit einem Fachmarktzentrum im Erdgeschoss und Arztpraxen in den Stockwerken darüber, finanziert von einem privaten Investor. Der Eindruck „eines Gebäudes“ wird durch die einheitliche Planung von Fassade und Außenhülle erzielt. Das Architekturbüro Rüger & Tröger haben wir gemeinsam mit dem Investor ausgewählt.

Von Beginn an war klar, dass wir Beratung und Arbeitsplätze der Mitarbeitenden trennen wollten. Darum wurden gleich abgetrennte Beratungszimmer geplant. Durch die attraktive Lage mit Blick auf die Altstadt von Wertheim und auf die Burg drängte es sich auf, im dritten Obergeschoss einen Veranstaltungsraum zu planen. Ebenso wird dort der Pausenraum für die Mitarbeitenden sein. Die Dachterrasse lädt bei gutem Wetter zu einem Aufenthalt an der frischen Luft ein. Neben der Terrasse ist genügend Platz für eine Bepflanzung – selbstverständlich mit blühenden Stauden für Bienen und andere Insekten.

Unsere Filiale Wertheim ist bisher in der Altstadt untergebracht. Wir suchen schon seit einigen Jahren nach einem neuen Standort, da das Gebäude nicht direkt am Marktplatz liegt und somit nicht entsprechend wahrgenommen wird. Durch die Erweiterung der Filiale um das Private Banking, die Umstrukturierung im Bereich Unternehmenskunden und die Analyse des Filialnetzes stand bald fest, dass wir kurzfristig ein neues Gebäude in einem für die Kunden passenden Umfeld brauchen.

Intensive Gespräche mit der Stadtverwaltung Wertheim haben dazu geführt, dass uns ein innenstadtnahes Gelände in der Bahnhofstraße angeboten wurde. Der neue Standort ist zu Fuß, mit dem PKW oder mit dem ÖPNV sehr gut zu erreichen. In unmittelbarer Nähe sind Ärzte, Dienstleistungs- und Einzelhandelsbetriebe angesiedelt, die zu einer hohen Kundenfrequenz beitragen.

Nach der Klärung des Standorts galt es ein Bauwerk zu planen, das sowohl die Anforderungen an den Betrieb einer Sparkasse (zum Beispiel die Vorgaben zur Sicherheit) als auch die neuen Ansprüche an die Kundenberatung (wie IT-gestützte beziehungsweise geführte Beratung, Videoberatungen) und Büroflächen (mit Beratungszimmern und Begegnungsflächen) erfüllt.

Der Spatenstich für die Baumaßnahme erfolgte in der Corona-Zeit, die auch fast die gesamte Bauzeit überschattete. Die Vorgaben des Arbeitsschutzes sowie die Hygieneregeln waren darum besonders streng.

Wir sind froh, dass wir sie trotzdem immer einhalten konnten. Neben diesen Erschwernissen galt es auch noch die rasanten Preissteigerungen sowie die zunehmende Materialknappheit zu meistern.

In Zusammenarbeit mit dem Architekten und den Fachplanern wurde hier ein neues Konzept umgesetzt, das es bisher in keiner anderen Filiale unserer Sparkasse gibt. Wir glauben, dass wir...

 

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